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Eine schöne, prächtige Wolke zog über dem blauen Himmel. Lang schon
war sie unterwegs. Mal war sie größer, mal kleiner, je nachdem, wo sie
gerade war. Oft schon hatte sie es auf Wiesen und Felder regnen lassen.
Am meisten machte es ihr Spaß, wenn sie sah, wie die Menschen am Boden
unter ihr flugs das Weite suchten, um ins Trockene zu gelangen. Als sie
so weiter zog, merkte die Wolke, dass es immer kälter wurde, der Sommer
ging zur Neige, der Herbst mit seinen bunten Blättern zog vorbei, die
Vögel zogen gen Süden, nur die Wolke musste den Weg nehmen, den ihr
der Wind vorschrieb. Die Wolke versuchte zu regnen, weil ihr das immer
gefallen hatte, aber es ging nicht mehr. Sie merkte, dass sie immer
schwerer wurde. In ihr wurden all die vielen kleinen Schneeflöckchen
geboren. Nie hätte die Wolke gedacht, wie schön es ist, wenn sie es
schneien lassen kann. Welch ein Spaß, wenn die vielen Schneeflöckchen
wild umher tanzten und den Boden mit einer weißen Decke
überzogen.
So
wurde auch unser Schneeflöckchen geboren. Gar schön war es anzusehen,
ganz fein aus Eiskristallen war es gewachsen. Die älteren Schneeflocken
waren alle schon aus der Wolke und trieben ihr übermütiges Spiel im
Wind. Schneeflöckchen konnte es gar nicht erwarten, bis es an der Reihe
war. Artig verabschiedete es sich von Mama Wolke und schwebte von
dannen. Es war wunderbar kalt, genau richtig für das Schneeflöckchen.
Die Sonne ließ ihr Kristallkleid funkeln. Sie tobte mit den anderen
Schneeflöckchen durch die Luft, sie spielten Reigen und fangen und
freuten sich. Sie flogen über Wälder und Felder, manchmal waren sie
dem Boden schon ganz nahe, dann stob sie der Wind wieder empor. So
flogen sie und flogen, und die Flöckchen, die auf dem Boden, der Wiese
oder dem Baum angelangt waren, bedeckten sie mit einem weißen Kleid aus
Schnee
Der
Winter war angebrochen, die Kinder freuten sich
schon auf die Schneeflöckchen, konnten sie doch
Schneemänner bauen, mit Schneebällen werfen und Schlitten
fahren. Bald hatte es auch Schneeflöckchen
geschafft, es landete sanft auf einer Wiese, nahe einem großem Haus. Da
waren breite und hohe Fenster dran und dahinter drückten sich viele
kleine Kinder die Nase an den Scheiben platt, es war ein Kindergarten.
Ach wie lange haben sie auf den Schnee gewartet, haben Winterlieder
gesungen und Weihnachtssterne gebastelt. Nun war es so weit ! Wie eine
wilde Horde stürmten die Kinder, warm angezogen mit Jacken und
Mänteln, bunten Mützen auf den Köpfchen und dicken Handschuhen an den
Händen, auf die Wiese. Da ließ es sich schön herumtoben ! Ehe sich
das Schneeflöckchen versah, wurde es mit vielen anderen
Schneeflöckchen von einer Handschuhhand gepackt, in eine andere
Handschuhhand gepresst und flog als Schneeball im hohen Bogen durch die
Luft. Schneeflöckchen war außen am Schneeball und konnte so den Flug
wunderbar verfolgen. Sie sah, wie ein Junge den Schneeball nach einem
Mädchen geworfen hatte und fröhlich dabei lachte. Aber das Mädchen
war auf der Hut und fing geschickt den Schneeball auf. Es sah, wie
wunderschön das Schneeflöckchen auf dem Schneeball glitzerte und
blinkte, Schneeflöckchen gab sich auch alle mühe und es freute sich,
als sie sich in den großen Kinderaugen wie in einem Spiegel sah. Da dem
Mädchen der Glitzerschneeball so gefiel, legte es ihn beiseite, formte
schnell einen neuen und warf diesen zurück. Nun frag mich keiner, ob
sie auch getroffen hat, da hab gerade woanders hingeschaut. Und schon
war die schönste Schneeballschlacht im Gange. Spaß hat es gemacht, und
jeder hat seinen Teil abbekommen.
Und
weil es so schön war, und weil noch keiner müde war, und weil keiner
zugab, dass er müde war und in den Kindergarten zurück musste, wurde
beschlossen einen Schneemann zu bauen. Einen ganz großen ! Vor den
Fenstern vor dem Haus sollte er stehen, damit ihn die Kinder immer sehen
konnten, wenn sie aus dem Fenster schauten. Zuerst wurde ein großer,
dicker Bauch gerollt. Alle mussten mit machen, denn der Bauch wurde
immer größer und schwerer. Danach kam der Kopf an die Reihe, der
musste nicht so groß sein. Aber schwer war er auch und er musste hinauf
auf den großen dicken Schneemannbauch. Da haben die beiden
Kindergartentanten kräftig mit angepackt und schon hatte der Schneemann
seinen Kopf. Schön schaute er aus, der Schneemann, aber es fehlten ihm
noch die Augen, Nase und Mund. Zwei Kastanien vom Herbst ergaben
wunderbare Augen, Haselnüsse den Mund und ein großer Tannenzapfen die
Nase. Ein Eimerchen aus der Spielzeugecke, schnell herbeigeschafft, gab
einen tollen Hut.

Da
erinnerte sich das Mädchen an den Schneeball. Schnell holte sie ihn,
und Schneeflöckchen gab sich alle Mühe, so hell und schön zu funkeln,
wie sie nur konnte. Das Mädchen gab den Schneeball auf das Eimerchen,
und ein jeder sah sofort hin, so funkelte und glitzerte der Schneemann
an diesem schönen, aber kalten Tag. Und als die Kinder im Warmen des
Kindergartens waren, sahen sie zuerst aus dem Fenster. Das war aber ein
schöner Schneemann, kaum konnten es die Kinder erwarten, der Mama und
dem Papa von dem Schneemann zu erzählen, und wie ihn alle gemeinsam
gebaute haben. Von dem Schneemann wurden viele Bilder gemalt. Jeden Tag
freuten sich die Kinder auf ihren Schneemann und Schneeflöckchen
funkelte stolz durch die Gegend.
Es
war die Adventszeit und bald kam das Weihnachtsfest. Ein neues Jahr
begann, der Frühling nicht mehr weit und es wurde immer wärmer. Der
Schnee begann zu tauen und der Schneemann wurde immer kleiner. Nun war
auch die Zeit für das Schneeflöckchen gekommen. Es verwandelte sich in
einen Wassertröpfchen und gelangte mit dem anderen Schmelzwasser in den
Boden.
Aber
das ist eine andere Geschichte, die Geschichte vom
Wassertröpfchen :O)
 
hier
geht´s zum Wassertröpfchen - klick |